Schulpartnerschaft mit der „Meger Weira Andinet Secondary School“

Der Weg ist das Ziel und mag er noch so beschwerlich sein!

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Im Jahr 2014 wurde die Grundlage gelegt für eine Schulpartnerschaft mit der „Meger Weira Andinet Secondary School“ in Weira/Äthiopien. Unter Federführung der Berliner Landesstelle für gewerbliche Berufsförderung in Entwicklungsländern wurde ein Modellhaus von einem interdisziplinären Team mit Elementen des Wassermanagements und der Regenerativen Energien ausgestattet (Bericht).

Der Kontakt zu den örtlichen Schulen und die positiven Erfahrungen mit der Bevölkerung veranlassten uns, diesen zu verstärken und gleichzeitig eine Schulpartnerschaft aufzubauen.

Das ENSA-Programm von Engagement Global, einer nachgeordneten Institution des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, fördert Schulpartnerschaften mit Ländern des Globalen Südens. Was lag folglich näher, als sich dort um eine Förderung unseres Vorhabens zu bewerben? Bei einem Vorbereitungsseminar im Sommer 2015 wurde die Grundlage für die Antragstellung im Herbst 2015 gelegt. Und welch ein Glück: kurz vor Weihnachten 2015 „flatterte“ der Bescheid über die Finanzierung und Unterstützung unserer geplanten Schulpartnerschaft ins Haus. Die beantragte 20-tägige Begegnungsreise wurde zwar in zwei ca. zehntägige Anbahnungsreisen umgewandelt, aber das tat der guten Stimmung keinen Abbruch.

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Nun begann die eigentliche Arbeit. In einem kurzen Abstimmungsprozess mit meinem Kollegen Martin Rammensee und unserem NRO-Vertreter Mubarek Nur wurden Schülerinnen und Schüler interviewt, die sich für die Schulpartnerschaft und die Reise nach Äthiopien interessierten. Nach Beantwortung von Fragen zu verschiedensten Themen der Entwicklungszusammenarbeit und einem persönlichen Gespräch wählten wir letztendlich drei Schüler aus der Fachschule, Patrizio Apitzsch, Lennart Münch und Lenard Filges, für das sogenannte „Outgoing“ aus.

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Ein erstes dreitägiges ENSA-Seminar im Januar 2016 in Blossin sollte uns auf die Schulpartnerschaft und die damit verbundenen organisatorischen und finanziellen Verpflichtungen gut vorbereiten. Mit jeder Menge Enthusiasmus und äthiopischen Köstlichkeiten wie Kaffee und selbstgemachter Injera stellten wir unser geplantes Projekt im Februar 2016 auf dem „Tag der offenen Tür“ in der Peter-Lenné-Schule einer größeren Öffentlichkeit vor. Es wurde über unser Vorhaben informiert und möglichst viele Schülerinnen und Schüler, aber auch Kolleginnen und Kollegen, sollten begeistert werden. Gleichzeitig nutzen wir den Tag, um unseren ENSA-Betreuern Jeremias Werner und Akinola Famson die Schule zu zeigen und uns gegenseitig kennenzulernen. Vertieft werden sollte dies auf einem anschließenden Vorbereitungsseminar im Zehlendorfer Mittelhof, bei dem unser „Outgoing“ zusammen mit unseren Betreuern inhaltlich, vor allem aber „interkulturell“, vorbereitet wurde.

Die Erteilung der Visa in der Äthiopischen Botschaft verlief unbürokratisch; nach kurzer Wartezeit und einem Gespräch mit Vertretern der Botschaft lag das Visum binnen einer Stunde vor. Kurz vor dem Abflug gab es für Kolleginnen und Kollegen, Familienmitglieder und Freunde noch eine Einladung in das äthiopische Restaurant „Blue Nile“ in Kreuzberg. Im kleinen, familiären Kreis standen wir „Rede und Antwort“ zu Fragen über die Reise und deren Inhalte. Bei äthiopischem Essen und einer anschließenden Kaffeezeremonie in angenehmer Atmosphäre eine gelungene Veranstaltung, um Ängste und Verunsicherungen bei den Familien im Vorfeld auszuräumen.

Dann war es soweit! Wir flogen am 24. April 2016 von Berlin mit kurzem Zwischenstopp in Istanbul nach Addis Abeba, wo wir von unserem Fahrer in der Nacht abgeholt und zu einem Gästehaus in der Nähe des Flughafens gebracht wurden. Dieses Haus sollte uns während des gesamten Aufenthaltes zur Verfügung stehen.

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In den nächsten zwei Tagen durften wir gemeinsam mit unserem deutschsprachigen Führer Taye die Stadt Addis Abeba und ihre „touristischen Höhepunkte“ genießen. Neben dem Nationalmuseum und den verschiedenen Märkten beeindruckte uns vor allen der neu angelegte Botanische Garten Gullele am Stadtrand von Addis Abeba. Mit seiner Pflanzenvielfalt und den unterschiedlichen Versuchen zur Wiedereingliederung einheimischer Baum- und Straucharten ein gelungenes Beispiel für die äthiopischen Bemühungen, ein Zeichen für angepasste und nachhaltige Waldnutzung zu setzen. Für uns war dieses Thema von besonderem Interesse, steht doch die geplante Schulpartnerschaft unter dem Themenschwerpunkt „Planung und Anlage von Schulgärten in Äthiopien und Deutschland“.

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Danach ging es gemeinsam mit dem örtlichen NRO-Vertreter Achmed Mohammed von „Give Water Ethiopia“ in unserem Bus nach Weira, eine ca. 300 km südlich von Addis Abeba gelegene Ortschaft in der Region Gurage.

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Dort wurden wir so warm und herzlich empfangen, als hätten wir erst gestern den Ort verlassen. Untergebracht im Gästehaus des Bürgermeisters, erlebten wir einige schöne Tage in Weira und Umgebung. Der Besuch in der Gemeinde fiel leider genau in die Zeit des orthodoxen Osterfestes, so dass diese Tatsache – trotz der überwiegend muslimischen Bevölkerung – für einige Schwierigkeiten in der Kommunikation mit der Schule führte und die angedachten Aktivitäten mit den Lehrern und Schülern etwas reduziert werden mussten.

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Aber so blieb genügend Zeit für andere Aktivitäten in der Gemeinde. Gemeinsam mit den Jugendlichen des Ortes wurde eine Treppe zum Fluss und ein Fußballtor gebaut und für die Schülerinnen und Schüler der Secondary School ein kleiner Workshop zur Bewässerung von Nutzgärten durchgeführt.

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Und es war schön zu sehen, wie sich das Dorf seit unserer letzten Reise positiv verändert hat. Heute verfügt ein großer Teil der Hütten über eine kleine Photovoltaik-Anlage zur Beleuchtung des Wohnraums, Dachrinnen sind montiert zur Sammlung des Regenwassers und ein Gesundheitsbeauftragter kümmert sich um das Thema „Nachhaltige Sanitärversorgung“. Alles gelungene Beispiele einfacher, aber effektiver und von der Bevölkerung getragener Ansätze zur Verbesserung der örtlichen Lebensverhältnisse und zurückgehend auf unser Engagement bei der Ausstattung des Modellhauses im Jahr 2014.

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Auf der Rückfahrt nach Addis Abeba nutzen wir gemeinsam mit einigen Bewohnern aus Weira die Möglichkeit, das Land, die Bevölkerung und einzelne kulturelle und naturkundlichen Schätze – neben interessanten Projekten des Wassermanagements der NRO „Give Water Ethiopia“ – näher kennenzulernen.

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Zum Abschluss besuchten wir die Deutsche Botschaft in Addis Abeba. Bei diesem Termin konnte dem Botschaftsvertreter das ENSA-Schulpartnerschaftsprogramm und der geplante Gegenbesuch der äthiopischen Gäste vorgestellt werden und es wurde um Unterstützung bei der Visavergabe gebeten. Erschöpft, teilweise ernüchtert, aber gleichzeitig auch beeindruckt und überwältigt von den Erlebnissen unseres „Outgoings“, kamen wir am 3. Mai 2016 wieder in Berlin an.

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In Berlin werteten wir gemeinsam mit unseren ENSA-Betreuern in zwei Wochenendseminaren unser „Outgoing“ aus und bereiteten gleichzeitig das „Incoming“ der Äthiopier vor. Parallel wählte unser NRO-Vertreter in Weira in Abstimmung mit uns die Teilnehmer für die Reise nach Deutschland aus, um nach Beantragung der Pässe für die Schülerinnen und Schüler einen Gruppentermin in der Deutschen Botschaft zu beantragen. Und das dauerte, so dass unser Wunschtermin für das „Incoming“ im September 2016 nicht zu halten war.

Erst Mitte September fand das Gruppeninterview in der Botschaft statt, zwei Wochen später dann die Nachricht, dass die gesamte Gruppe keine Visa für die Reise nach Deutschland erhält! Trotz zwischenzeitlicher Kontaktaufnahme mit der Botschaft und Übergabe sämtlicher Unterlagen, wie persönlichen Einladungen, Verpflichtungserklärungen, Versicherungen und einem Begleitschreiben der ENSA-Geschäftsführung, bekamen die Äthiopier kein Visum; mangelnde Rückkehrbereitschaft wird als Ablehnungsgrund angegeben. Für uns ist die Ablehnung durch die Botschaft nicht verständlich, zumal es sich um ein von der Bundesregierung gewünschtes, gefördertes und größtenteils finanziertes Programm handelt. Gerade aufgrund der aktuellen politischen Situation in unserem Land, Flüchtlingsdiskussionen, Willkommensklassen an Berliner Schulen und oftmals falscher Schlussfolgerungen müsste die Regierung ein Zeichen setzen. Schulpartnerschaften stehen für Völkerverständigung und Toleranz, entscheidende Kriterien für die gemeinsame Zukunftsgestaltung in einem der Toleranz gegenüber Andersdenkenden verpflichtetem Deutschland!

Hoffen wir, dass der Widerspruch der Äthiopier gegen die Entscheidung der Deutschen Botschaft Erfolg hat und ein „Incoming“ noch möglich macht. Vielleicht nicht mehr in 2016, aber dann im Jahr 2017, um eine der ersten bundesdeutschen Schulpartnerschaften mit einer äthiopischen Schule aufzubauen und langfristig zu etablieren.

Wir möchten unsere Eindrücke von der Reise gern interessierten Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern sowie der Öffentlichkeit am

16. Dezember 2016 ab 14 Uhr

im Rahmen der Weihnachtsfeier der Landesstelle vorstellen und würden uns über ein zahlreiches Erscheinen sehr freuen!

Klaus Pellmann
Peter-Lenné-Schule
Koordinator der Landesstelle

 

 

Bildnachweis:
© 2016 Achmed Mohammed Deldebo (Titelbild)

© 2016 Lenard Filges, Klaus Pellmann und Martin Rammensee - Peter-Lenné-Schule