lstethDienstag, 22. April 2014, Rückflug nach Addis Abeba

Wachten schon kurz nach 4.00 Uhr auf, da der Gesang der christlichen Priester, lautsprecherverstärkt, den ganzen Ort erfüllt. Zum Frühstück bekommen wir noch einmal die äthiopische Kaffeezeremonie geboten, mit Weihrauch und frisch zubereitetem Kaffee, den wir aus kleinen Tassen trinken. Er wird mir fehlen.

Jetzt, um 9.00 Uhr, sitzen wir schon in der Halle des Fluglatzes von Lalibela. Hatten den Jungs, die immer vor unserem Hotel rumhängen, noch 100 Birr fürs Schuheputzen gegeben.

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Zum letzten Mal die Kaffeezeremonie im
Lalhotel
Kein Flugzeug in Sicht

Landeanflug auf Addis

Als wir gestern Abend die Abrechnung fertig hatten, kam Mubarek noch zu einem kurzen Fazit: „Wir haben in Weira eine gute Arbeit geleistet, auf und im Modellhaus die Solaranlage montiert, die Solaranlage des Bürgermeisters repariert, eine Dachrinne mit Auffangmöglichkeit am Modellhaus angebracht, mit unserem Wasserlabor das Wasser geprüft, Erdproben genommen und mit den Leuten von Weira viele Gespräche geführt. Mubarek will zuerst einmal nicht mehr machen.

Achmed von Give Water wird sich zusammen mit Fikadu, dem Bürgermeister und dem Gemeinderat von Weira um die Wasserförderung und die Verteilung von sauberem Wasser kümmern. Und wir werden mit allen über Mubarek in Kontakt bleiben. Hailu will für immer nach Addis zurückkehren um dort ein Elektrogeschäft aufzumachen.

Und wir haben sehr viel über Äthiopien, ein Land im Aufbruch, kennengelernt. Auf der einen Seite haben viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser, Elektrizität und Gesundheitsversorgung. Auch die Schulen sind mit sehr wenig Mitteln ausgestattet. Allerdings scheint der Leistungsstandard der Schüler sehr hoch zu sein, gibt es doch bei den jungen Menschen eine hohe Motivation weiterzukommen und dazu zu lernen.

Gerade bei den Gurage ist das agrarische Selbstversorgungssystem noch weitestgehend intakt, gibt es auch ein großes Wissen über Naturmedizin, die natürlichen Zusammenhänge, wie Mischkulturen etc. in der Landwirtschaft. Teilweise wirkt auf uns Europäer das Leben der Gurage durch die Brille unserer Zivilisation paradiesisch, wobei wir sicherlich auch die Zwänge der dortigen normativen Kräfte unterschätzen.

Allerdings haben wir Krankheiten und die mangelnde medizinische und schulische Versorgung nur angesprochen und sporadisch besichtigt, ohne sofortige praktikable Lösungen benennen zu können. Ich denke, Äthiopien hat eine große Zukunft vor sich, wenn es den verantwortlichen Menschen des Landes gelingt, demokratische Strukturen dauerhaft zu etablieren und ein Amalgam aus Tradition, afrikanischer Identität und Moderne zustande zu bekommen. Mit der Gastfreundschaft und dem tradierten Wissen der Gurage und den durch Besucher entstandenen Kulturtransfer scheint mir eine Utopie „Äthiopien im 21. Jahrhundert" in groben Umrissen vorstellbar.

Zwei Stunden später sitzen wir immer noch im Flughafengebäude. Die Maschine, mit der wir zurückfliegen sollten, ist zwar verspätet gelandet, kann aber wegen des starken Winds nicht starten. Alle 30 Minuten soll eine Durchsage in Bezug auf die Windverhältnisse erfolgen. Erst mal abwarten. Wieder mal eine Übung in afrikanischer Geduld. Dann bekommt die ganze Geschichte auf einmal Dynamik. Da auf Grund des starken Windes das Gewicht des Flugzeugs reduziert werden muss, wurden die letzten 10 Namen auf der Passagierliste einfach gestrichen, darunter Mubarek und Conny. Jana erklärt sich bereit, an Stelle von Conny in Lalibela zu bleiben. So haben wir nur mit vier Mitgliedern die Rückreise angetreten. Am Flughafen von Addis wird uns Alex erwarten.

lstethMittwoch, 23. April 2014, Rückflug über Istanbul nach Berlin

Waren um 1.15 Uhr in Addis abgeflogen. Mubarek und Jana waren am Nachmittag doch noch mit einem Flug über den Tanansee in Addis angekommen. Trafen uns danach alle bei Hailus Verlobter, die für uns ein sehr gutes Essen zubereitet hatte. Es gab Injera mit Hühnchen (schön scharf) und verschiedene Gemüse. Später kam nochmals Achmed von der NGO „Give Water" dazu.

Von Hailu aus fahren wir noch zu einem Laden in der Nähe des Mercatos, wo wir uns noch mit zwei Hemden für die Landesstellenfeier und weiteren Keramik- und Holzgegenständen für die äthiopische Kaffeezubereitung eindecken. Im Flughafen kaufen wir noch guten einheimischen Kaffee.

Können im Flugzeug nur kurz schlafen, da uns um 4.30 Uhr ein Essen serviert wird. Haben auf dem Flughafen von Istanbul nur kurzen Aufenthalt. Treffen noch den Chef des deutsch-äthiopischen Freundschaftsvereins, der auch von einem Projekt im Süden Äthiopiens zurückkommt. So langsam geht unsere Reise zu Ende. Freuen uns schon alle auf das Zuhause, Badewanne, warme Dusche oder Sauna, Radfahren oder dem Schwimmen im See. Auch das wir unsere Lieben wieder in die Arme schließen dürfen.

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Aufenthalt in Istanbul Rückflug nach Berlin Wieder zu Hause

Eine tolle Reise geht zu Ende und wir sind voller Eindrücke, sehen noch vor uns das Lächeln der Äthiopier, erinnern uns an ihre Gastfreundschaft, an den ungezwungenen oft neugierigen Umgang mit uns.

Amasegenallu, wir werden Äthiopien so schnell nicht vergessen.

Martin Rammensee

 

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Text: Martin Rammensee

Fotos: Martin Rammensee, Cornelia Schröder, Jana Groß, Hailu Temesgen
Landesstelle Berlin 2014, Alle Rechte vorbehalten

Siehe auch:

„13 Monate Sonnenschein” – ein Videobericht des Äthiopien-Aufenthalts.

Von Michael Schäfer

videotitel weira

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Siehe auch:

Äthiopien-Nachmittag der Landesstelle