lstethDonnerstag, 10. April 2014, in Addis Abeba

Da wir erst um 3.30 Uhr nach einer rasanten Fahrt durch die Stadt und einem üppigen Essen ins Bett gekommen waren, schliefen wir bis 8.30 Uhr. Zum Frühstück gibt es Rührei, Brot; Obstsalat und Marmelade.

Vor uns sitzt eine junge Frau und röstet in einer eisernen Pfanne Kaffeebohnen über einem kleinen Holzkohleofen, die sie immer wieder hin und herschiebt, damit sie nicht anbrennen, dabei wirft sie Weihrauch in die Glut. Auf der Straße vor den verschlossenen Toren ruft der Flaschensammler, mit dem immer gleichen Spruch.

Um 10.00 Uhr wollen wir zum Mercato (Markt), angeblich der größte Afrikas, um von uns in Weira benötigte sperrige Materialien zu kaufen, die wir aus Berlin nicht mitnehmen konnten.

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Den Kaffee trinken wir aus kleinen Tassen Im Garten Nester von Webervögeln Unsere Hauskatze hat Hunger

Die erste kleine Tasse Kaffee schmeckt wunderbar. Normalerweise wird er nicht mit Zucker versüßt, sondern gesalzen, aber wir haben Glück und bekommen ihn gesüßt. Der Kaffee, den wir aus kleinen Tassen trinken, ist ganz frisch in der ersten Tasse, bei der zweiten und dritten wird er nicht neu zubereitet sondern nochmals aufgebrüht. In der Nähe von Weira gibt es ein Naturreservat, das vom NABU unterstützt wird, in dem der Kaffee noch immer wild wächst.

Wir sprechen auch über äthiopische Geschichte. Die verschiedenen Volksgruppen haben gerade in politischen Diskussionen große Probleme, Hailu ist Amhara, Mubarek Guragi, wobei sich jetzt die Gruppen mischen, auch übten die verschiedenen Gruppe verschiedene Berufe aus, so kann z. B. nicht jeder einfach Töpfer werden, erinnert mich an unsere ständische Gesellschaft im Mittelalter. Auch gibt es unterschiedliche Traditionen, z. B. heiraten Guragi nicht in ihrem Dorf, heiraten immer außerhalb. Es gibt aber auch viele Gruppen, die nur unter sich bleiben. Jana erzählte von einer ihrer letzten Reisen durch Äthiopien, dass z. B. im Bus Leute unterschiedlicher Gruppen nicht zusammen sitzen. Ist zwar eher selten, kommt aber vor.

Fahren zusammen auch zum äthiopischen Nationalmuseum...

Im Ambassador-Park trinken wir Kaffee. Gegenüber dem Sheraton-Hotel und dem Regierungsviertel werden viele Elendsviertel abgerissen. Überall in der Stadt sehen wir gewaltige Bauaktivitäten, für die Stützschalungen und Deckenverschalungen werden aber nur Stangenhölzer verwendet, dies gibt den Gebäuden oft den Charakter eines surrealen Kunstwerks, sind doch die bis zu 30 Stockwerk hohen Gebäude mit Stangengerüsten und Stangenrampen versehen, die irrsinnig untereinander verstrebt, vernagelt und verbunden an eine überdimensionale Objektart erinnern. Gerade dieser gewaltige Holzbedarf ist für die Waldbilanz Äthiopiens nicht gut, so sahen wir auch überall im Land die abgeholzten Berghänge und begegneten immer wieder unzähligen mit Holzstangen beladenen LKWs.

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Straßenszene in Addis Anstehen zum Gottesdienst Zum ersten Mal noch kleine Baugerüste

Später haben wir in der deutschen Botschaft einen Termin. Zuerst werden wir vom Sicherheitspersonal durchleuchtet. Am liebsten würden sie uns die Kameras abnehmen. Endlich kommt Herr Krüger, mit dem Klaus von Berlin aus den Termin ausgemacht hatte. Wir gehen über das große Botschaftsgelände bis zu einem Kantinengebäude, wo wir uns unter einer Markise niederlassen.

Herr Krüger erzählt uns, dass er für vier Jahre vom Entwicklungsministerium abgestellt wurde. Er ist hier in Addis für die Koordinierung zwischen Regierung, GTZ, Welthungerhilfe etc. zuständig. Klaus erklärt erstmal, was es mit der Landesstelle auf sich hat.

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In der deutschen Botschaft Schildkröte auf dem Botschaftsgelände

Hatte beim Hochlaufen zum Clubhaus der Botschaft auf dem 12 ha großen Botschaftsgelände wieder Probleme mit dem Luftholen, es ist schon zu merken, dass wir uns in einer Höhe von über 2000 Metern aufhalten. Mubarek hat sich kurz telefonisch gemeldet, kommt später dazu. Klaus erzählt von der NGO Give water Ethiopialink-extern, die GTZ hat hier auch ein Projekt im Energiebereich. Herr Krüger erzählt von der Beratungsstelle Engagement Global, auch von einem CIM-Programm (Centrum für internationale Migration und Entwicklung) für Leute, die wieder in ihre Länder zurückgehen. Mubarek erzählt von der Ausbildung in der Landesstelle und dass er will, dass wir das dort Erlernte in einem Modellhaus umsetzen, um den Umgang mit der Solarenergie, Solarthermie, Biogas und dem Sammeln von Wasser etc. zu zeigen.

Er hatte erstmals vor zwei Jahren mit dem Bürgermeister und dem Schuldirektor von Weira gesprochen und von seinem Vorhaben erzählt. Äthiopiens Regierung hat bis 2025 als Ziel ein CO2- und klimaneutrales Wachstum ausgeschrieben. Die CDM-Umsetzung ist noch nicht konkret. Die deutsche Botschaft hilft mit Handbüchern, Infos und organisatorischer Unterstützung. Sie arbeitet aber hauptsächlich mit staatlichen Stellen in Äthiopien zusammen. Es wird in der Botschaft schon registriert, dass es sehr viele private NGO-Aktivitäten gibt, sie bekommen davon aber leider oft zu wenig mit.

Conny interessiert sich dafür, inwiefern die deutsche Botschaft auch mit anderen Ländern, der EU und mit Amerika zusammenarbeitet? Dazu meinte Herr Krüger: Erster Schwerpunkt, wie technical land management, d. h. Verhinderung von Erosion, Anlegen von Entwässerungsgräben, Erhalt von Hanggebieten für die Bewirtschaftung etc. Zweiter Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsministerium: Im Hochland ist noch viel an natürlicher Landschaft zu erhalten und in Regionen, die nicht ernährungsunsicher sind. Die Amerikaner unterstützen eher Maßnahmen zur landwirtschaftlichen Produktivität, man muss sehen, ob diese Methoden auch auf das Tiefland übertrag bar sind etc.

Was wir mit der äthiopischen Regierung zusammen machen, trägt Früchte. Im Ideenstadium befinden sich noch die Bereiche Biodiversität, Nationalparkmanagement, Tertiäre Bildung, berufliche und universitäre Bildung.

Die deutsche Botschaft ist schon seit zwanzig Jahren aktiv im Bereich der Bildung. Seit Jahren wird die deutsche Berufsschulbildung auf Äthiopien übertragen. Praktische Ausbildung findet an den Berufsschulen selbst statt, unterstützt wird auch die Entwicklung von Curriculae, die KfW unterstützt die Ausstattung der Schulen.

Ziel ist es, Arbeitskräfte bereitzustellen, die auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt werden. Für Privatbetriebe gibt es nur sehr schwer einen Zugang zu Banken in Bezug auf Kredite. Wie können diese für eine berufliche Ausbildung gewonnen werden? Ein großes Problem ist bereits die Haftpflichtversicherung. Mubarek erkundigt sich, wie es mit einer finanziellen Unterstützung der deutschen Regierung aussieht und ob es einen Kollegen gibt, der bei Antragstellungen etc. beraten kann. Die Botschaft unterstützt Kleinprojekte mit einem gewissen Eigenanteil, d. h. Anträge werden immer jährlich und zu Anfang des Jahres gestellt, geht an äthiopische NGOs, wichtig Verwendungsnachweis der Mittel, Auszahlung in Tranchen.

Mubarek findet auch die Unterstützung von Ideen interessant. Gibt es z. B. eine Unterstützung bei dezentraler Energiegewinnung? Eine Entwicklung, z. B. bei Solarkochern, wird unterstützt, was über einen praktischen Austausch in die Breite gehen soll, Ideen werden vermittelt, die Geräte sollen später im Land selber verkauft werden.

Treffen uns um 17.00 Uhr im Debredamo-Hotel mit der NGO Give Water zu einem Workshop. Viele Mitglieder der NGO studieren in Addis und beschäftigen sich mit dem Thema Wasser. Die NGO will uns auch in Weira mit Hilfestellungen unterstützen und wird uns die ganze Zeit begleiten.

Mubarek eröffnet die Veranstaltung und stellt uns alle vor. Er sagt nochmals, dass er vieles des in der Landesstelle Erlernten in Äthiopien umsetzen will. Nacheinander erklären sich nun die Mitglieder der NGO und warum sie die Organisation unterstützen, die sich mit dem Thema Wasser beschäftigt. In den Reden wird immer wieder betont, wie froh sie seien, dass ihnen die Landesstelle mit ihrem Wissen helfe. Danach stellt Klaus mit einer PowerPoint-Präsentation die Landesstelle vor, erklärt unser Kursprogramm und zeigt unseren Imagefilm.

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Klaus Pellmann stellt unsere Arbeit vor Klaus und Mohammed von „Give Water“

Danach wird die Fragerunde eröffnet. Die immer wieder auftauchende Frage ist natürlich „Was hat die Landesstelle für Antworten und Lösungen für unsere Probleme im Bereich Wasser in Äthiopien?" Mubarek antwortet darauf, dass wir in Weira ein Modellhaus ausbauen wollen und erzählt von Solarpanelen, Solarkochern, Regenwasserspeicherung, Wasserbeprobung etc.

Give Water will auch wissen, wie eine Zusammenarbeit mit der Landesstelle in Zukunft aussehen könnte und betont immer wieder, wie wichtig sauberes Wasser für Äthiopien sei, und ob wir ihnen mit Infos über Solarpumpen und Brunnenbau helfen können.

Zum Schluss sehen wir die Give-Water-Dokumentation „Working together for a better life"link-extern. Darin wird das Verlegen von Wasserleitungen in der Gegend von Enemar durch Fachleute und Freiwillige gezeigt und wie Mitglieder der NGO in den Kommunen über Gesundheitsfürsorge reden. Wir sehen den vorherigen Transport von Wasser über weite Strecken, der durch die Erschließung der Dörfer mit Wasserleitungen, dem Bau von Handpumpen und Zisternen beendet wird und das Leben der Menschen auch in gesundheitlicher Hinsicht erleichtert.

Am Ende der Tagung treffen wir uns zu einem gemeinsamen Dinner.

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Unser Dinner mit „Give Water“ Injera

Wieder schmeckte mir die Injera, einem aus einer grasartigen Hirse zubereiteten Fladen, ähnlich einer dicken, sauren Crêpe. Mit einem Stück abgerissenem Fladen wird nun mit der rechten Hand ein Stück Fleisch, Gemüse oder Fisch gegriffen und in eine der zahlreichen auch scharfen Saucen getunkt. Unter den Saucen waren auch die typischen Fastenspeisen, wie Shiro, ein Brei, der aus einem Pulver aus gewürzten Bohnen, Linsen und Erbsen zubereitet wird, dazu gibt es weitere Gemüsespeisen. Zur Feier des Tages gab es dann „St.-Georg-Bier".

Jetzt am Abend, um 23.00 Uhr, wieder in unserer Unterkunft zurück, lasse ich nochmals den Tag Revue passieren.

Bin immer noch erstaunt über die vielen Bauaktivitäten in Addis. Überall wachsen gewaltige Hochhäuser in den Himmel, eingehaust in ein Gewirr von Pfosten aus Eukalyptusstämmen, auf denen Arbeiter wie die Ameisen auf- und abwimmeln. Jedes Stockwerk wird vor dem Schütten der nächsten Decke durch einen ganzen Wald von Stämmen abgestützt. Wie zerfetzte Fahnen in einem Inferno wehen an den Außenwänden der Gebäude riesige Kunststoffbahnen, die vormals der Schattierung dienten.

Überall in der Stadt rollen gewaltige Radlader, die ganze neue Straßentrassen aus dem steinigen Untergrund schieben, wie graue Lindwürmer winden sich dazwischen mannshohe Betonröhren, durch die später mal das Abwasser fließen wird.

Dazwischen mäandert ein nicht enden wollender Strom von jungen Männern und Frauen, der sich durch die vielen kleinen Transporter, Pick Ups und vielen alten Autos, windet. Im Schatten der vielen Rohbaugiganten scheinen plastikverkleidete Holzverschläge, auf deren durchhängenden Dächern allerlei einst angewehte Pflanzen ihre verdorrten Stängel in die Luft strecken, gestrandet zu sein, aus deren Tiefen die Rufe der Verkäufer dringen, eingezwängt in ein Konglomerat aus Früchten, Kleidern auf Schaufensterpuppen, Stöcken, Büchern, Sonnenschirmen, die zu religiösen Festen getragen werden, Schuhen, Mützen, Strohhüten.

Immer wieder liegen auch Menschen wie achtlos weggeworfene Kleiderbündel am Straßenrand. Wie sehen auffallend viele ältere Männer in langen Kaftanen, in den Händen einen oft kunstvoll geglätteten Stock, am Ende gekrümmt oder gegabelt, metallbeschlagen oder auch geschnitzt. Später erfahre ich von Hailu, dass diese Stöcke Stützen während der vielstündigen Gottesdienste in den langen Fastenzeiten sind. Überall vor den Kirchen stehen weißgekleidete Menschen mit Sonnenschirmen in der Hand, die beten und singen.

Auch im Straßenbild fallen die sich bekreuzigenden Menschen auf, die damit die am Straßenrand liegende Kirche begrüßen. In vielen Autos hängen Kreuze, die meisten der jungen Menschen tragen ein Kreuz um den Hals, auch die Kleidung ist oft mit Kreuzen verziert.

Waren am Morgen im Esszimmer gesessen, vor uns der kleine rauchende Holzkohleofen, auf dem in einer alten metallenen Kanne Kaffee kochte.

Mubarek erzählte uns von der immer noch nicht aufgearbeiteten jüngeren Geschichte Äthiopiens, wo vor allem in den 70er Jahren hunderttausende Studenten und Intellektuelle einfach auf offener Straße hingerichtet wurden, später werden wir noch am Museum des Terrors vorbeifahren.

Im archäologischen Museum von Addis bestaunen wir die Millionen Jahre alten Skelette, die vor allem durch unser aller Urahnin „Lucy" weltbekannt wurden. In zahlreichen Vitrinen finden sich viele archäologische Funde aus Axum, Tigray und Eritrea. Schön auch die einfachen Hackgeräte, zu denen Hailu meinte, dass wir die nächsten Tage viele davon noch im Einsatz sehen werden. Zwischen den Vitrinen stehen kunstvoll geschnitzte Holzhocker und Vorratsbehälter, die allerdings nicht beschriftet sind und wie abgestellt wirken. Es gibt einfach keine Person, die sich um eine Ausschilderung kümmert.

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„Lucy“, eine unserer Urahninnen Einfache Hackgeräte Holzhocker und Stühle

Vor einem Thron von Haile Selassie bestaunen wir die wunderschön verzierten königlichen Gewänder, die auf uns wie eine Märcheninszenierung wirken, sehen wir Utensilien von Wunderheilern und Zauberern, tauchen immer wieder Masken und Schwerter, auch Gegenstände, deren Nutzen sich uns entzieht, aus dem Dunkel vor uns auf, da immer mal wieder der Strom ausfällt.

Durch die zahlreichen Artefakte schimmert die reiche und vielfältige äthiopische Geschichte, auf die die Menschen dieses Landes stolz sein können und zu Recht auch sind.

lstethFreitag, 11. April 2014, in Addis Abeba

War schon um 5.30 Uhr wach. Vor dem Fenster das Zwitschern und Singen der Vögel, die Webervögel huschen durch die Baumkronen, am blauen Himmel kreisen zwei Raubvögel. Mir zu Füßen liegt der kleine Hund des Hauses, ein zweiter, angekettet neben dem metallenen Hoftor, wedelt mit dem Schwanz als er mich sieht. Tegest, die junge Frau, die uns bekocht und uns gestern eine tolle Kaffeezeremonie zelebrierte, bruzzelt draußen in der kleinen Küche gegenüber unserem Esszimmer schon Rührei.

Mit unserem Toyota fahren wir quer durch die Stadt zum Mercato (Markt), dem angeblich größten von ganz Afrika. Hier hatte Mubarek sehr viel Zeit verbracht, bevor er nach Berlin kam, und er kennt beinahe jeden Winkel des Marktlabyrinths. Wir waren nicht allein, Mubarek hatte seinen jüngeren Bruder und weitere Familienangehörige mitgebracht, die uns zu aufdringliche Bettler und Händler vom Hals hielten.

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Mubarek sucht unsere Fässer aus Auf dem Mercato Marktprodukte

Die Fülle des Marktes ist unglaublich und es gibt sicherlich nichts, was hier nicht zu bekommen ist. Mubarek meinte, selbst all das, was zuvor irgendwo in der Stadt gestohlen wurde. Beeindruckend ist es zu sehen, wieviel ein Mensch zu schleppen vermag, seien es nun Säcke, Büchsen oder verschnürte Plastiktonnen, aber auch Eisenträger, große Fässer, Pfannen, Holz- oder Kleiderbündel.

Aus alten Ölfässern werden wiederum andere Gefäße oder Platten gefertigt. Wir liefen die Straße der Metallhändler hinab. In unseren Ohren eine Kakophonie aus Hammerschlägen, Kratzen, schrillen Schleifgeräuschen auf scheppernden und wummernden Stahl und Blech. Wie die unzähligen Arme eines riesigen Tiers bewegen sich rußgeschwärzte Hände, funkelten Augen, öffneten und schlossen sich schwarze Münder scheppernd voller Eisenschrott. Aus den Tiefen der haldengesäumten Gassen schien ein äonenaltes Stöhnen zu dringen, wie der Atem einer von innen glühenden Zivilisation. Als wir wieder nach oben ins Licht gelangen, sehen wir Berge von neuen Schaufelblättern, Äxten, Haken und Gabeln, dazwischen Kaffeetöpfe auf Dreiböcken, auch kleine Öfen für Holzkohlenfeuer.

Am Busbahnhof vorbei erreichen wir ein neues mehrstöckiges Gebäude, in dessen Innerem es infernalisch nach Dieselrauch riecht, da in dem nach oben offenen Kellergeschoß ein großes Dieselaggregat ohne Lüftung vor sich hin brüllt und die Abgase über mehrere Stockwerke nach oben steigen. In einem Laden für Wasserleitungsrohre erstehen wir nach längerem Palaver PE-rohre, Wasserschläuche, Schellen und Hähne.

Klaus und Mubarek halten unterwegs nochmals an, um eine kleine Solaranlage zu kaufen; leider war keine der zu kaufenden Anlagen komplett. Die von Mubarek aus Berlin mitgebrachte war leider nicht mehr vollständig, da im Flughafen Teile daraus gestohlen worden waren. Da die fehlenden Anlageteile ohne Solarpanel über 100 Euro gekostete hätten, kauften sie diese dann doch nicht.

Wieder zurück in unserer Unterkunft hatte Tegest, unsere Küchenfee, schon einen tollen Früchtecocktail aus Ananas, Mangos und Bananen gezaubert, danach gab es herrlich zubereiteten Kaffee.

Unterhielten uns am Tisch über die Zufriedenheit im Leben, dass die Fixierung auf rein materiellen Reichtum fragwürdig ist, wie es sich mit dem selbst erarbeiteten Lebensinhalten verhält und wie wichtig kreatives Schaffen ist. Erzählte dann noch von meinem Leben in Südfrankreich und wie es dort im Alter sein würde, bzw. was der Vorteil von altersgerechten WGs ist.

Nach Einbruch der Dunkelheit brachte uns unser Fahrer zu einem traditionell eingerichteten Restaurant, in dem eine Gruppe von Musikern, Tänzerinnen und Tänzern Gesangs- und Tanzeinlagen aus den verschiedensten Regionen Äthiopiens zum Besten gaben. Dazu war Samuel der Veranstalter, über den wir unser Fahrzeug und die Unterkünfte auf der Reise durch Äthiopien bekommen hatten, mit Beza, seiner deutsch sprechenden Frau gekommen, der als Veranstalter auch auf der Berliner Tourismusbörse gewesen war und dort Mubarek kennengelernt hatte. Michael war glücklich, da er seit Tagen zum ersten Mal ins Internet kam und so Kontakte für ein zukünftiges Filmprojekt zustande kamen.