600px_lausitz_tk_42Fachexkursion zum Thema Wasser in die Lausitz

Etwa 30 Mitarbeiter, Studenten und Freunde der Berliner Landesstelle begaben sich am 5. Juni auf eine Informationsfahrt in die Lausitz. Auf dieser Bustour sollte bewusst werden, so der Organisator Klaus Pellmann, „wie wichtig Wasser nicht nur in den Ländern Afrikas, Lateinamerikas und anderer arider Gebiete ist" (als „arid" werden Regionen mit negativer Niederschlags-Bilanz bezeichnet).

 

Cottbus

Erstes Ziel war das Kompetenzzentrum für nachhaltiges Bauen in Cottbus, wo uns Herr Kaiser begrüßte und in einem zweistündigen Rundgang durch das schon von außen sehr beeindruckende Ausbildungszentrum führte. Dessen Aufgabe ist die Aus- und Weiterbildung von Baufachleuten in Hinsicht auf ressourcenschonende Baustoffe und Technologien; Träger ist das Berufsförderungswerk des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg e.V..

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Das Kompetenzzentrum in Cottbus Herr Kaiser (li.) in einer der Werkhallen Dachbegrünung

Herr Kaiser erläuterte zunächst das bauliche, ökologische und energiewirtschaftliche Konzept des Zentrums, erklärte die demonstrativ offen liegende Hausinstallationstechnik und führte uns über das begrünte und mit Solarpaneelen bestückte Dach oberhalb des Schul- und Verwaltungstraktes. Nach einem informationsgespickten Rundgang durch Büro- und Klassenräume, Ausbildungshallen und Technikräume leitete er uns zur einrichtungseigenen Pflanzenkläranlage. Das gesäuberte Abwasser gelangt als Brauchwasser in einen schilfbesetzten Teich – Fischschwärme und lautes Froschgequake zeugten davon, dass nicht nur menschliche Nutzer von der Anwendung nachhaltiger Technologien profitieren.

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Klassenraum Teich mit Fröschen und Goldfischen
Andrang beim Imbiss

Gegen 13 Uhr wurde ein liebevoll vorbereiteter Imbiss gereicht – herzlichen Dank den Organisatoren auch für diesen Service!

Organisator Klaus Pellmann

Lausitzer Seenland

Nächste Station der Reise war Großräschen (Google Maps) inmitten des noch im Entstehen begriffenen Lausitzer Seenlands. Dort geht in diesem Jahr die Internationale Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land ihrem Ende entgegen, über die ein Besucherzentrum am Rande des neugeschaffenen Ilsesee informiert. Der Ilsesee entsteht in einem Restloch, das der Braunkohletagebau Meuro hinterlassen hat. Er ist nach der Ilse Bergbau AG benannt, die hier seit 1871 Kohleförderung und Brikettfabriken betrieb.

Nach dem Niedergang von Kohleabbau, Stromerzeugung und Großindustrie sehen sich große Teile der Lausitz einem Strukturwandel riesigen Ausmaßes gegenüber. Frau Meißner, Besucherführerin der IBA, die uns in den nächsten Stunden begleitete, berichtete aus reichhaltiger eigener Anschauung. Neben dem sozialen Schicksal der Menschen, das zunächst oft Umsiedlung hieß, weil etliche Dörfer dem Bagger weichen mussten, und später, nach der Wende, Arbeitslosigkeit und Wegzug vieler jüngerer Lausitzer bedeutete, stand das Schicksal der Region im Vordergrund ihrer Ausführungen.

Kraterlandschaft Ilsesee
Kraterlandschaft im Umbruch teilweise gefluteter Ilsesee Partwitzer See

Seit dem Jahr 2000 sollen in „Europas größter Landschaftsbaustelle" 30 IBA-Projekte neue Perspektiven schaffen. Einer der Themenschwerpunkte heißt „Wasserlandschaften" und beinhaltet die komplizierte Flutung der kraterähnlichen Tagebaulöcher. Kompliziert einerseits, weil die Niederschlagsmenge in dieser Region ausgesprochen gering ist, andererseits, weil pyrithaltige Bodenschichten zu einer Übersäuerung des Grundwassers führen. Um die Renaturierung zu fördern und zu beschleunigen, ist immenser technologischer Aufwand erforderlich.

Vom Ilsesee, der mit seiner Mondlandschaft und der kargen Pioniervegetation am Ufer noch recht anschaulich den zu erwartenden Zeitbedarf für die (Wieder-)herstellung von Natur aufzeigte, brachte uns der Bus zum Partwitzer See. Wegweiser, die mit Campingplatz, Strand und Hafen beschriftet waren, ließen uns dort zunächst auf ein erfreulicheres Ambiente hoffen. Indes, just an diesem Wochenende probte dort das Dresdener Technische Hilfswerk einen Katastrophenfall, ließ schweres Transport- und Räumgerät die Motoren aufheulen und durchpflügten Rettungsboote und Jet-Skis das Wasser.

Ferienhaus
Das THW übt eine Katastrophe „Wassermusik" vom Jet-Ski Schwimmendes Ferienhaus

Seit Mai 2006 schwimmt ein Ferienhaus an der Marina im Partwitzer See. Der Pontonbau wurde als Referenzanlage realisiert und kann angemietet werden. Angesichts der aktuellen Kulisse löste dieser Ferienvorschlag unter den Teilnehmern jedoch nur sehr zurückhaltende Begeisterung aus.

Weiter ging es in Richtung Senftenberg, entlang weiterer Seen und durch zumeist jungen Nadelwald, zum Wohnhafen Scado am Geierswalder See. Neben dem Bootstourismus – etliche der künftigen Seen werden durch Kanäle untereinander verbunden und sollen so ein zusammenhängendes Wassersportrevier entstehen lassen – steht auch dort ein „Wohnen-auf-dem-Wasser-Projekt" im Planungskatalog der IBA-Macher. Auch hier überwog jedoch unter den Teilnehmern skeptische Zurückhaltung, zumal sich der genannte Immobilienpreis (250.000 €) wenig von Berliner Marktkonventionen unterscheidet.

Frau Meißner zeigt die „Schwimmenden Häuser" am Geierswalder See Braune Schwarze Elster

Bevor wir Frau Meißner wieder am Ausgangspunkt Großräschen absetzten, dabei mehrfach die Schwarze Elster querend (die aufgrund ihres Eisengehalts eher braun ist) und dem Senftenberger See folgend, führte die Exkursion noch zur Landmarke Lausitzer Seenland. Hierbei handelt es sich um einen 30 m hohen Turm aus rostfarbenem Cortenstahl, der erst nach vielstufigem Aufstieg seinen eigentlichen Zweck preisgibt: einen Rundblick auf drei der großen Seen, dazwischen Verbindungskanäle und umfangreiche Waldgebiete, sowie die Kraftwerke Schwarze Pumpe, Boxberg und Jänschwalde am Horizont.

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Der „Rostige Nagel" Lohn der Mühe: Blick von der Landmarke ...die letzten 10 Stufen...

Über den künstlerischen Hintergrund des 2008 eröffneten „Rostigen Nagels" schreibt die IBA: „Bewusst erinnert die aus rostfarbenem Cortenstahl erbaute Landmarke an die industrielle (Entstehungs-)Geschichte des Seengebietes und an stählerne Bergbaugeräte – und gleichzeitig ist der skulpturale Treppenaufgang ein Zeichen für menschliches Schaffen, für die Zukunft."

Spreewald

Der letzte Teil der Exkursion galt dem Spreewald. Dort erwartete uns jedoch schon aus zeitlichen Gründen kein Bildungsprogramm mehr – und nach mittlerweile zehn Stunden war die Aufnahmebereitschaft der meisten von uns auch schon deutlich gesunken... Aufnahmebereit waren nur noch unsere Mägen und in Schlepzig sollte der Gasthof zum grünen Strand der Spree Abhilfe schaffen. Die Brauereigaststätte führte ganz nebenbei auch den praktischen Nachweis, dass Wasser „nicht nur zum Waschen da" ist, und stellte hierüber einen Bezug zum Thema des Tages her. Schade nur, dass man uns den beschaulichen Garten am Spreeufer verwehrte und stattdessen im Innenraum platzierte.

Erschöpfte Expeditionsteilnehmer erholen sich am grünen Strand der Spree

Mit reichlich Verspätung, aus der geplanten Ankunftszeit von 20 Uhr wurde dann doch 21:30 Uhr, gelangten wir schließlich wieder nach Berlin zurück. Dank und Schlussapplaus aller Teilnehmer galten Klaus Pellmann, der diesen lehrreichen Ausflug geleitet und bestens vorbereitet hatte.

Thomas Kayser

 


Zum Weiterlesen:

© Text und Bilder: Thomas Kayser, Peter-Lenné-Schule Berlin 2010