Dynamischer Agroforst“ – Ein Modell zur Verbesserung der kleinklimatischen Bedingungen und Erträge in der Landwirtschaft?
Von langer Hand schon im Herbst 2024 geplant, stoß das Seminar zum „Dynamischen Agroforst“ nicht nur bei den Teilnehmenden des Landesstellenkurses auf ein sehr großes Interesse. Als Dozentin konnte Frau Dr. Stadler-Kaulich, eine ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet der Agroforst Wissenschaften, gewonnen werden (https://mollesnejta.org/dr-noemi-stadler-kaulich). Neben diversen Büchern zum Thema hat sie in ihrer Wahlheimat Bolivien den Agroforst-Versuchsbetrieb Mollesnejta angelegt und bewirtschaftet diesen mit großem Erfolg bei der Verbesserung der Ernteerträge durch die Anpassung an die extremen klimatischen Bedingungen in Bolivien. Vorrangig geht bei der Agroforstwirtschaft um die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, des Wasserhaushaltes und die Anpassung der Anbaumethoden an die Klimaveränderungen, sowie die Wiederherstellung der lokalen Biodiversität und Erhöhung der Ernteerträge. Diese Maßnahmen des natürlichen Kilmaschutzes wurden von Dr. Stadler-Kaulich in ihrem Workshop am Freitag ausführlich und sehr anschaulich an Beispielen an den verschiedensten Regionen der Welt vorgestellt. Auch die positiven Eigenschaften der Biokohle wurden erläutert, bevor abschließend am Nachmittag mit den über 20 Teilnehmenden auf der Anbaufläche in der Peter-Lenné-Schule praktisch Bodenproben entnommen und eine Bodenansprache durchgeführt wurde.
Am Samstag fand dann die Anwendung im Spreewald statt. Nach gemeinsamer Anfahrt mit Zug und Bus bis zur Baumschule „Freiwald e.V.“ in Burglehn empfing uns die Gründerin Shan Metz sehr herzlich. Nach kurzer Vorstellung des Freiwald Konzeptes (https://freiwald-ev.de), der Umbau eines Kieferforstes zu einem nachhaltigen Klimawald mit unterschiedlichsten einheimischen Laubgehölzen, ging es an die praktische Umsetzung mit Frau Dr. Stadler-Kaulich. In direkter Nachbarschaft auf einem brachliegenden Acker sollte exemplarisch eine neue Pflanzung entstehen, nach dem Prinzip des dynamischen Agroforst. Nach einer kurzen theoretischen Einführung konnte gemeinsam gepflanzt werden. Vorher musste jedoch der sandige Boden mit Kompost, Pferdedung und Pflanzenkohle im Bereich des Pflanzloches verbessert werden, um den Anwuchserfolg der Neupflanzung zu gewährleisten. Es wurden mehrere Pflanzreihen angelegt, eine Reihe mit Beerensträuchern (Johannisbeere, Stachelbeere etc.) und Unterpflanzung mit Beinwell. Letzterer verhindert Unkrautwuchs und verbessert das Bodenleben. In einer nächsten Reihe pflanzten wir verschiedene alte, widerstandsfähige Apfelsorten (Dülmener Herbstrosenapfel, Bitterfelder etc.) in Kombination mit Haselnusssträuchern. Die Haselnüsse beeinflussen positiv das Bodenleben und sorgen für ein gutes Wachstum der Obstgehölze. Zum Schluss wurden die Pflanzgruben mit einem Bewässerungsrohr versehen und nach gründlichem Wässern mit Stroh abgemulcht, um eine schnelle Verunkrautung zu verhindern. Die Arbeit, angeleitet von Frau Dr. Stadler-Kaulich, bereitete allen Teilnehmenden sehr viel Freunde und machte uns bewusst, wie wichtig der Aufbau von Agroforstsysteme - nicht nur in der trockenen brandenburgischen Landschaft - sondern auch in vielen Ländern des globalen Südens zur Verbesserung der kleinklimatischen Verhältnisse und Ernteerträge sein kann.
Nach einem Mittagsessen gemeinsam mit Shan Metz von Freiwald e.V. ging es gestärkt auf die Heimreise zurück nach Berlin. Hoffen wir, dass die gewonnenen Erkenntnisse von den Teilnehmenden in ihren Heimatländern verbreitet und zur Verbesserung des (Klein)klimas in ariden Regionen beitragen.
Unser Dank gilt Dr. Naomi Stadler-Kaulich und Shan Metz, die eine rundum gelungene Fortbildung mit Wissen und Tatkraft ermöglichten.
Klaus Pellmann
Landesstellenkoordinator
Bildnachweis
© 2025 Clement Doku, K. Pellmann, Hailu Temesgen, Landesstelle Berlin


















