Jana: „Aha-Effekte sind garantiert...”

jana-sIch saß mit meinen Halbgeschwistern zusammen. Bei über 40 Grad im Schatten fragten wir uns wieder, warum weit und breit nicht ein einziges Solarmodul zu sehen war. In Mali, wo die Sonne so überaus großzügig scheint. Wir sprachen über den Müll in den Straßen, der bedrohlich schnell anwächst und über die unersättlichen Äxte der Holzfäller.

Wie immer fuhr ich mit dem Gefühl, dass sich etwas ändern müsse, nach Berlin zurück. Wie immer ahnte ich aber auch, dass ich schnell an meine Grenzen stoßen werde. Aber dieses Mal war es anders.

Bei einer Veranstaltung im Pankower Rathaus, in der es um ökologische Konzepte in Kamerun ging, lud mich Klaus Pellmann zu einem Informationstag der „Landesstelle für gewerbliche Berufsförderung in Entwicklungsländern" ein.

Ich traute meinen Ohren kaum! Da bot mir jemand einmal in der Woche Unterricht in Solarenergie, Bioenergie und Wassermanagement? Ein ganzes Jahr lang. Was ich dazu beitragen musste? Erscheinen! Und ich bin hingegangen. Mit Begeisterung von der ersten Unterrichtsstunde an. Ich frage mich ehrlich gesagt seitdem, ob es außer unseren Lehrern viele gibt, die mit so viel Einsatz und Herzlichkeit mit ihren Schülern arbeiten. Einige der Lehrer wissen aus eigener Erfahrung, dass in Afrika oft mit einfachen Mitteln mehr erreicht werden kann, als mit teurer Hightech. Danach ist auch der Unterricht gestaltet.

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Projektwerkstatt Nachhaltige Sanitärversorgung

 

 

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Fachexkursion „Ökohauptstadt Berlin?"

Wenn man auf dem Papier eine sehr schöne Zeichnung zustande gebracht hatte, konnte man schon bald überprüfen, ob das Ganze auch praktisch funktionierte. In der Werkstatt haben wir z.B. eine Thermosyphonanlage gebaut, angeleitet vom Werkstattmeister, der uns dabei auch das Löten von Kupferrohren beigebracht hat. Wir wechselten ganz selbstverständlich zwischen Theorie und Praxis, spazierten auf dem Dach der Knobelsdorff-Schule herum, auf dem die verschiedensten Solarpaneele und Windräder installiert sind. Und am Ende der Leitungen kam wirklich warmes Wasser an!

Wir haben alles fotografiert. Ich habe noch nie einen Unterricht erlebt, in dem so viel fotografiert wurde, aber so gute übersichtlich gezeichnete Tafelbilder, so schöne anschauliche Versuche mussten einfach festgehalten werden. Natürlich haben wir den Bau unserer Biogastonne fotografisch dokumentiert, unseren Holzkurs, dem ich einen wunderschönen Hocker zu verdanken habe (meinen Stubenhocker), unsere Exkursion zum Klärwerk, zur Ufa-Fabrik, zur Tempelhofer Freiheit und vieles mehr.

Während des Unterrichts in der Peter-Lenné-Schule kräht ab und zu der Hahn. Die Teichrosen blühen gerade. Gespeist wird der Teich durch Regenwasser von den Dächern, natürlich über Kiesschichten gefiltert. Die kleine solarbetriebene Pumpe spuckt tapfer und zuverlässig Fontänchen.

Aha-Effekte sind jeden Schul-Freitag garantiert. Es könnte noch lange so weitergehen!

Mein Bruder aus Mali hat angerufen. Wir wollen die große Fläche in der Nähe seines Hauses vom Müll befreien und Bäume pflanzen. Es sollen keine schwarzen Rauchschwaden von brennendem Plastik mehr in die Häuser ziehen. Nach dem Militärputsch ist es nun auch in unserem Land unsicher geworden. Aber deshalb aufgeben? Jetzt muss ich mein Wissen doch anwenden!

Jana, Oktober 2012