00_exkursion_2011

Nachhaltiger Umweltschutz

Die Exkursion 2011 der Landesstelle führte nach Niederfinow und Kerkow.

Kein Widerspruch: Ein Industriedenkmal und aktuelle HighTech demonstrieren gleichermaßen Bemühungen um technischen Umweltschutz.


Rund 30 Teilnehmer, Lehrende, Freunde und Förderer konnte Klaus Pellmann am Morgen des 18. Juni am Bus begrüßen. Der Koordinator der Landesstelle für gewerbliche Berufsförderung in Entwicklungsländern hatte in diesem Jahr zu einer Exkursion in den Nordosten Brandenburgs geladen.

Schiffshebewerk Niederfinow 52° 50′ 56″ N, 13° 56′ 29″ E

Am Industriedenkmal aus den 1930er Jahren begrüßte uns Herr Kluge und führte uns zunächst durch den Informationspavillon. Recht weitschweifig wurde die Bedeutung des Schiffshebewerks für den Güterverkehr auf den deutschen Wasserstraßen, seine Geschichte und Technik erläutert.

Auf geht's gegen 9 Uhr Ankunft in Niederfinow Modell des Schiffshebewerks
Auf geht's gegen 9 Uhr Ankunft in Niederfinow
Am Modell des Schiffshebewerks

Anschließend bestiegen wir die obere Etage des „Historischen Wahrzeichens der Ingenieurbaukunst in Deutschland", in der die von Berlin kommende Havel-Oder-Wasserstraße mündet. Zwei Fahrgastschiffe und mehrere Sportboote machten sich gerade auf den 36 Meter tiefen Abstieg auf das Niveau der Oder. Der Trog, in dem sie geschleust werden, hat durch die Wasserverdrängung immer die gleiche Masse. Durch Betongewichte über Drahtseile in der Balance gehalten, kann er mit niedrigem Energieaufwand auf das jeweils entgegengesetzte Niveau gehoben oder gesenkt werden.

Die obere Einfahrt ins Hebewerk Der Trog in Fahrt Blick in 36 m Tiefe
Obergeschoss mit Weitblick Der Trog in Fahrt
Blick in 36 m Tiefe

Zum Abschluss dieser Führung erhielten wir einen Ausblick auf die gigantische Baustelle des neuen Schiffshebewerks. Es soll 2014 in Betrieb gehen und dann den Transport von bis zu 110 m langen Großmotorgüterschiffen ermöglichen.

Bei sich verdüsterndem Himmel stiegen wir in den Bus, der ein idyllisches kleines Plätzchen am Rande des Finowkanals ansteuerte. Dort wurden Kaffee und ein Imbiss gereicht, den fleißige Helfer schon in Berlin vorbereitet hatten. Kleine Schauer taten dem Appetit keinen Abbruch und begleiteten dann die Weiterfahrt nach Kerkow bei Angermünde, wo wir das Informationszentrum Blumberger Mühle besuchten.

Neubau des Hebewerks Picknick am Finowkanal Anmarsch im Nieselregen
Hinten: der Neubau des Hebewerks
Picknick am Finowkanal Anmarsch im Nieselregen

 

Informationszentrum Blumberger Mühle 53° 02′ 20″ N, 13° 57′ 35″ E

Das vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) unterhaltene Besucherzentrum erinnert in seiner äußeren Form an einen hohlen Baumstumpf, in dem eine Ausstellung über das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin informiert. Aus seiner Mitte heraus erschließt ein Rundwanderweg die nähere Umgebung mit Sumpfgebieten und Fischteichen. Wir erhielten von Herrn Hesse eine sehr fachkundige und kurzweilige Führung und besichtigten unter anderem ein „Insektenhotel" in präparierten Baumabschnitten, Nistkästen für Vögel und Fledermäuse und eine Biberburg am Teichrand.

Das NABU-Zentrum Nisthilfen für Fledermäuse und Vögel Ausblick auf die Fischteiche
Der „hohle Baumstumpf" von innen
Musterwohnungen für Fledermäuse Ausblick auf die Fischteiche

Bevor das Modell einer Pflanzenkläranlage Nachbaupläne hervorrief, konnten wir noch eine – inzwischen sehr seltene – Europäische Sumpfschildkröte um ihren Nachmittagsschlaf beneiden. Eine um dieses Vergnügen betrogene Ringelnatter aber war das eigentliche Highlight der Etappe. Nachdem unser NABU-Führer versicherte, sie sei ungiftig, trauten sich einige Teilnehmer auch eine direkte Kontaktaufnahme. Das Reptil gestattete den Kontakt auch recht gelassen – vermutlich, weil es taub ist.

Dösende Sumpfschildkröte Ringelnatter Busfahrt
Europäische Sumpfschildkröte Fingerringelnatter Auf dem Weg zum Biogasthof

 

Gut Kerkow 53° 02′ 10″ N, 13° 59′ 15″ E

Nur wenige hundert Meter vom NABU-Zentrum entfernt liegt das Gut Kerkow und erwartete uns zum Gastmahl; auf der Karte der „Speicherstube" stand Fleisch aus eigener Produktion. 

Hauptanlass unseres Besuchs war jedoch die Besichtigung der Biogasanlage, zu der uns Herr Niedeggen anschließend begrüßte. Der aus Köln stammende „Gutsherr" erläuterte eingangs seine Motivation, den 1993 übernommenen LPG-Betrieb zu einem Biohof zu führen, anhand biographischer und weltanschaulicher Auslöser und betriebswirtschaftlicher bzw. ökologischer Fakten. Die Umstellung auf Bioproduktion und Anerkennung als Biohof wird in diesem Jahr abgeschlossen. Die Energieerzeugung unter Verwendung von Biomasse erfolgt bereits seit 2006.

Herr Niedeggen (2.v.l.) Kälber vorm Rinderstall Besucher vorm Rinderstall
Herr Niedeggen begrüßt uns
Neugierige Kälber Neugierige Besucher

Nach den Rinderstallungen zeigte Herr Niedeggen die Mahl- und Mischanlage. Darin wird aus Rindermist und -gülle sowie überwiegend selbst erzeugter Maissilage ein Gärsubstrat hergestellt, das im Fermenter von Bakterien zu Methan vergoren wird. Ein Blockheizkraftwerk als Generator produziert daraus neben Wärme elektrische Energie, die zum überwiegenden Teil in das Stromnetz eingespeist wird. Die jährlich erzeugten 5 Millionen kWh reichen aus, um rund um die Uhr ca. 10.000 Menschen mit Strom zu versorgen.

Vorstufe der Biogasproduktion Fermenter Blockheizkraftwerk
Biogas – schon hier direkt erlebbar Fermenter der Biogasanlage Das Kraftwerk zur Stromerzeugung

Gegen 19 Uhr bedankten wir uns für die Führung und traten die Rückreise an. Berlin erreichten wir pünktlich um 21 Uhr und hatten da alle zwischenzeitlichen Verspätungen wieder aufgeholt. 

Herr Pellmann, dem der Schlussapplaus galt, verabschiedete uns mit dem Versprechen, auch im kommenden Jahr eine gleichermaßen erlebnis- und erkenntnisreiche Exkursion zu veranstalten.

 

Zum Nach- und Weiterlesen:

 

Text und Bilder: © 2011, Th. Kayser, Landesstelle