12. Landesstellen-Exkursion zum Potsdamer Platz

„Wasser, Wasser…nichts als Wasser?“ – Innovative Wasserkonzepte im Herzen Berlins!

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Eine Exkursion in den Zeiten von Corona? Landesstellenkordinator Klaus Pellmann meinte "Ja!" und hatte zu einem Ausflug in die Mitte Berlins geladen. Die 12. Landesstellen-Exkursion fand am 20. Juni 2020 statt, um zwei Projekte des nachhaltigen Umgangs mit Wasser am Potsdamer Platz zu erkunden.

Wasserkonzept im Block 6 (Dessauer Straße 9–12)

Anfang der 1980er Jahre wurde der Block 6 ein Projekt der Internationalen Bauausstellung Berlin (IBA Berlin 1984/87). Neben der Modernisierung des Altbaubestands und dem Neubau von ca. 100 Wohnungen wurde eine experimentelle Regenwassersammel- und Grauwasserreinigungsanlage im Innenbereich des Blocks realisiert. Das in einer 900 m² großen Pflanzenkläranlage aufbereitete Wasser wurde als WC-Spülwasser und für Bewässerungszwecke genutzt, zusätzlich wurde durch Durchflussbegrenzer und Spararmaturen der Trinkwasserverbrauch reduziert.

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Das Konzept stieß wegen des sehr sparsamen Wasserverbrauchs der Bewohner und der unerwartet hohen Belastung der Abwässer auf technische und wirtschaftliche Grenzen und musste überarbeitet werden. In die ursprüngliche Pflanzenkläranlage wird nun das auf dem Gelände anfallende Niederschlagswasser von 2.350 m² Dachfläche und 650 m² versiegelter Freiflläche eingeleitet, um zu verdunsten oder etwa nach Starkregenereignissen zeitverzögert in der angrenzenden Mulde zu versickern. Die Verdunstung des Niederschlagswassers trägt insbesondere in den Sommermonaten zu einer Verbesserung des Kleinklimas im nahen Wohnumfeld bei. Ein weiterer Effekt ist die Entlastung der Mischkanalisation (siehe Flyer Block 6).

Ein Teil der Teichanlagen wurde inzwischen mit einem Betriebswasserhaus überbaut. Im Jahr 2013 wurde in einem angrenzenden Gewächshaus eine Aquaponikanlage installiert (siehe Roof Water Farm). Wir hatten allerdings den Eindruck, dass diese aktuell nicht mehr in Betrieb ist.

 

Wasserbewirtschaftung am Potsdamer Platz

Nach einer kurzen Stärkung mit Kaffee und Tee überquerten wir den Tilla-Durieux-Park und trafen uns vor dem Spielcasino am Potsdamer Platz mit Marco Schmidt, der uns schon 2012 über das Gelände der ufaFabrik geführt hatte. Er stellte uns diesmal Aspekte des nachhaltigen Wasserkonzepts vor, das mit der Neubebauung am Potsdamer Platz umgesetzt wurde.

Als Hauptursache des Klimawandels stellte Herr Schmidt die tägliche Vernichtung von 800 km² Wald- und Grünfläche durch Rodung, Umnutzung und Überbauung in den Vordergrund. Insbesondere der 'kleine Wasserkreislauf' (Niederschlag – Verdunstung – Niederschlag über dem Festland) wird dadurch verringert. Bei der Neubebauung des Potsdamer Platzes habe man mit ökologischer Planung und gezielten Auflagen versucht, den Folgen durch kompensierende Maßnahmen zumindest entgegenzuwirken. Die 1400 m² große Pflanzenkläranlage südlich des Potsdamer Platzes, die wir umrundeten, ist dabei nur ein Teil eines vierteiligen Konzepts. Auch hier wird aufbereitetes Grauwasser zur Senkung des Tinkwasserverbrauchs in der Toilettenspülung eingesetzt. Die Teiche und Wasserläufe befinden sich zu großen Teilen oberhalb der Tiefgaragen.

  • Die umfangreich durchgesetzte Dachbegrünung dient dem Auffangen von Regenwasser, der Wiederverdunstung und der Eliminierung von Schadstoffen, wie z. B. Schwermetallen.
  • In Zisternen wird das Regenwasser gesammelt und weiter geklärt. Bei heftigen Regenfällen verhindert diese Maßnahme, dass die Berliner Kanalisation mit schadstoffbelasteten Abwässern überflutet wird.
  • Das gesammelte Wasser wird durch eine Pflanzenkläranlage geleitet. Die Pflanzenwurzeln des Schilfs dienen als Lebensraum für Mikroorganismen, die zum Abbau der Schadstoffe beitragen und Luftsauerstoff anreichern.
  • Schließlich tragen auch die Algen in den Gewässern zur Verbesserung der Wasserqualität bei.

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Nach den spannenden, äußerst faktenreichen Ausführungen lud Klaus Pellmann zu Kuchen und Getränken. Abermals herzlichen Dank dem Gastgeber! Bevor sich einige Teilnehmer erneut aufmachten, um noch die unterirdischen Zisternen zu besichtigen, wurde die Expedition mit der Verleihung der Fortbildungs-Zertifikate an Rachel aus Kamerun abgeschlossen.

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Thomas Kayser

 

 

Bildnachweis
© 2020 Th. Kayser, Landesstelle