„Rote Insel“ Schöneberg – EUREF Campus und Malzfabrik:
Vorreiter für Innovation und Nachhaltigkeit?

01m

Bei bestem Landesstellenwetter trafen sich die über 40 Teilnehmer der diesjährigen Fachexkursion pünktlich um 9 Uhr vor dem EUREF-Gelände in Schöneberg.

Aufgrund der Vielzahl an Anmeldungen wurde die Gruppe auf dem Gelände von zwei Guides der Fa. INPOLIS UCE GmbH geführt, die uns die Besonderheiten und die Visionen dieses Areals im Herzen der „Roten Insel“ Schönebergs näher brachten.

Aus einem ehemaligen Industriegelände mit dem bekannten Gasometer ist heute ein innovatives Wissenschafts- und Dienstleistungszentrum geworden, das neben Unternehmen der Energie-, Nachhaltigkeits- und Mobilitätsbranche auch Forschungsinstitute wie das Fraunhofer Institut oder die TU Berlin (Campus EUREF) beherbergt. Es ist ein „neues“ Stadtquartier entstanden, mit zukunftsfähigen und wirtschaftlichen Lösungsansätzen für die Stadt der Zukunft. Dabei stehen die Regenerativen Energien, der intelligente Energiemix, im Mittelpunkt des Gesamtkonzeptes. Fotovoltaikmodule erzeugen Energie für Elektroautos und Elektroroller, ein elektrisch betriebener Kleinbus transportiert autonom Gäste über das Gelände.

02s03s04s

05s06s07bs08s09s

Kleine Vertikalwindräder zeigen, wie in Städten mit Hilfe dieser auf Gebäuden ein Teil der Energie regenerativ erzeugt werden könnte. Das Blockheizkraftwerk wird mit Biogas betrieben und versorgt schon heute Gebäude mit Strom und Wärme.

Aber auch die Biotechnologie ist ein interessanter Schwerpunkt des Gesamtkonzeptes. Experimentiert wird mit Photobioreaktoren, an der Fassade eines Gebäudes montiert werden hier Algen produziert. Die Anlage befindet sich im Testbetrieb, aber sicherlich ist dieses Tätigkeitsfeld zukunftsfähig, da Algen ein breites Verwendungsspektrum von der Kosmetikindustrie bis hin zur Lebensmittelproduktion finden. Und nebenbei sei noch der „City Tree“ erwähnt, eine mobile, grüne Wand aus 1682 Sedum Pflanzen, mit Solaranlage und automatischer Bewässerung, zur Feinstaubreduzierung, Filterung von Stickoxiden und CO2-Bindung. Das Konzept scheint aufzugehen, die Klimaschutzziele der Bundesregierung für 2050 wurden auf dem Campus schon 2014 erreicht. So steht das Stadtquartier symbolisch und beispielhaft für die Energiewende in Deutschland.

10s11s

Nach der Überblicksführung ging es dann per Pedes – manche auch umweltfreundlich mit dem Rad – durch das Nadelöhr Sachendamm zur naheliegenden Malzfabrik in Tempelhof-Schöneberg. Dort stand das kleine Frühstück schon bereit, das Freigelände der Malzfabrik bot für dieses „Picknick“ den idealen Raum. Die Gespräche bei Kaffee und Kuchen und die Erkundung des Geländes versüßten bzw. verkürzten die Zeit bis zum nächsten Programmpunkt, der Besichtigung der historischen Malzfabrik.

12s13s

Frau Petrow von „Tunneltours“ führte zu Beginn ihrer Führung intensiv in die Geschichte des Bierbrauens und Mälzens ein, bevor gemeinsam die Räumlichkeiten mit ausführlichen Erläuterungen zur Bauwerksgeschichte besichtigt werden konnten. Die ehemalige Mälzerei gehörte zur Berliner „Schultheiss“-Brauerei und von 1914 bis zur Einstellung des Produktionsprozesses im Jahr 1996 wurde hier Malz für die Berliner Bierproduktion veredelt. Die Darrhauben, mächtige Türme zum Trocknen des Malzes und gleichzeitig Wahrzeichen des Gebäudes, konnten ebenso von innen besichtigt werden, wie sämtliche anderen Produktions- und Lagerräume mit zum Teil noch erhaltenem Inventar. Ein beindruckendes Industrieensemble, das denkmalgeschützt erhalten bleibt und in der Zukunft sicherlich Platz für weitere kreative Raumnutzungen bieten kann.

14s

Der Abschluss dieses interessanten Tages musste natürlich – nachdem im Vorfeld ausführlich über das Mälzen und die Bierproduktion referiert worden war – in einer Schöneberger Kiezkneipe stattfinden. Leider gab es passend zum Tage kein „Schultheiss“-Bier vom Fass, aber das tat den Diskussionen über die zukünftige Ausrichtung der Peter-Lenné-Schule als innovativer, nachhaltiger Bildungseinrichtung und in der Zukunft hoffentlich auch klimaneutralem Schulstandort, keinen Abbruch. Dass der Weg durch die Institutionen sicherlich kein leichter wird, war allen Beteiligten klar. Aber die Bemühungen sollten sich für uns und unsere Nachkommen schon allein aus sozialer Verantwortung lohnen und deshalb mehr als nur eine Vision sein. Das haben die Macher des EUREF Campus eindrucksvoll bewiesen und uns zum Nachmachen angeregt!

Klaus Pellmann
Landesstellenkoordinator

 

Weblinks zur Exkursion

EUREF-Campus

Malzfabrik

 

 

Bildnachweis:
© 2017 Klaus Pellmann, Landesstelle