Ghana – Eine Reise an die afrikanische Goldküste

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Es herrscht Goldgräberstimmung, so könnte man die Situation beschreiben, wenn man das erste Mal in Ghana ist. Dies bezieht sich aber nicht nur auf die angeblich noch immer vorhandenen Goldvorkommen im Land, sondern vor allem auf das stetig steigende Wirtschaftswachstum. Der dabei jährlich um ca. 13 % steigende Energiebedarf kann nicht gedeckt werden, regelmäßige Stromabschaltungen – nicht nur in den ländlichen Regionen – sind die Folge.

Die Energieerzeugung aus regenerativen Quellen ist ein wichtiges Thema in Ghana, kleine Fotovoltaikanlagen können in den ländlichen Regionen die Stromversorgung sichern und Großanlagen die konventionelle Energieversorgung unterstützen.

Auf Einladung der NGO BOTA (Builders Of Today Association) fuhr der Landesstellenkoordinator Klaus Pellmann gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Hartmann (Vizepräsident der SRH Hochschule Berlin) und Michael Schäfer (Schauspieler und Filmemacher) im September 2015 nach Ghana, um sich einen Eindruck von der örtlichen Situation zu machen und die NGO bei ihren Ausgaben im Land zu unterstützen.

Nash Olympio, ein ehemaliger Landesstellenteilnehmer, gründete zusammen mit Richard Gyasi und Freunden die NGO BOTA, um neben diversen Sozial- und Umweltprojekten vor Ort eine berufliche Ausbildungsstätte nach deutschem Vorbild zu errichten. Ausbildungsschwerpunkte sollen zu Beginn die regenerativen Energien sein, ein wichtiger Baustein zur Verbesserung der Lebensverhältnisse und der technologischen Entwicklung des Landes.

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In Kooperation mit der Landesstelle und der SRH Hochschule wurden von Prof. Hartmann im Jahr 2014 die ersten Elektrotechnik-Lehrer des Kikam Technology Institute in Westghana in einer Internetschulung zur Fotovoltaik fortgebildet. Nach dem Prinzip des „Train The Trainer“-Programms haben diese Lehrkräfte unter örtlicher Federführung der NGO BOTA in Kikam die ersten Teilnehmer im Bereich Fotovoltaik in einem mehrwöchigen Kurs ausgebildet.

Die Übergabe der Zertifikate an die Teilnehmer durch das Team um Prof. Hartmann war neben der persönlichen Kontaktaufnahme mit der Schulleitung und der örtlichen Bevölkerung ein wesentlicher Schwerpunkt dieser Reise. Im Ergebnis soll die Kooperation mit dem Kikam Technology Institute erweitert werden. Weitere Schulen in der Region haben ebenfalls ein großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit Berlin im Bereich der Berufsausbildung und von der Gemeinde Kikam wird eine Städtepartnerschaft mit dem Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf angestrebt.

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Ein weiterer Schwerpunkt war die Unterstützung der NGO in Tema. In den 1960er Jahren noch ein kleines Fischerdorf, hat sich Tema heute zu einem der größten Häfen Westafrikas entwickelt – der städtische Übergang zur ca. 25 km entfernten Hauptstadt Accra ist fließend.

Die BOTA hat am Stadtrand ein kleines Schulgebäude errichtet, in dem parallel zu den Kursen in Kikam ebenfalls im Bereich der Solarenergie aus- und fortgebildet werden soll. Die ersten potentiellen Teilnehmer konnten in der Schule begrüßt werden, die Fotovoltaikanlagen aus Deutschland wurden den Interessenten vor Ort demonstriert und erläutert. Die Kurse sollen noch 2015 starten, langfristig sind Angebote mit unterschiedlicher Dauer und differenzierten Inhalten – der Vorbildung der Teilnehmer angepasst – geplant.

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Auch hier zeigt sich die Wertigkeit einer soliden Berufsausbildung, die praktischen Anteile der Fortbildung wie Montage und fachgerechte Wartung sollen auf Wunsch der Teilnehmer Themenschwerpunkte werden. Mit dem ghanaischen Fachpraxislehrer Richard Artur und den Anlagekomponenten aus Deutschland ist eine solide Basis für die Ausbildung in Tema geschaffen worden. Aufbauend auf das Modul Fotovoltaik sind in der Zukunft weitere Kurse nach dem Vorbild der Berliner Landesstelle zu den Themen Solarthermie, Wind- und Bioenergie angedacht, um das gesamte Spektrum der erneuerbaren Energien abzudecken.

Ergänzend wird für das Schulgebäude und das Grundstück zusammen mit Fachschülern der Peter-Lenné-Schule ein zukunftsweisendes Wassermanagement-Konzept entwickelt. Möglichkeiten zur Wasserver- und -entsorgung, möglichst autark und ökologisch, sollen ebenfalls Eingang finden in das Bildungsangebot der BOTA, ein wichtiger Aspekt der Gesundheitsvorsorge in Ghana mit Vorbildcharakter für andere Regionen.

Das Reiseprogramm beinhaltete auch einen Besuch in der Deutschen Botschaft in Accra. Im konstruktiven Gespräch wurden Erfahrungen ausgetauscht und Möglichkeiten der Unterstützung für die NGO ausgelotet.

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Ausflüge in das Landesinnere standen ebenfalls auf dem Programm, bei denen die Schönheiten und Naturschätze des Landes bewundert werden konnten. Der Besuch im Kakum Nationalpark, ein faszinierendes Regenwaldrelikt – über Hängebrücken in den Baumwipfeln erlebbar – war für alle ein unvergessliches Erlebnis.

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Die Fahrt in das nahgelegene Korfuridua diente dem Austausch mit der örtlichen NGO Krobodan, die in Kooperation mit dänischen Unterstützern ein erfolgreiches Unternehmen führt. Neben der beeindruckenden Perlenproduktion aus recyceltem Glas, „Fair Trade“ produziert und gehandelt, werden diverse Modelle zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der größtenteils ländlichen Bevölkerung, wie Kleintier- und Pilzzucht, erfolgreich umgesetzt.

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Ein Abstecher in den Botanischen Garten von Aburi ergänzte den Ausflug in die ländliche Region nördlich von Accra.

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Unser Dank gilt vor allem den Mitgliedern der NGO BOTA, die für uns das Programm in Ghana perfekt organisierten und den vielen liebenswerten, freundlichen Menschen in Ghana, die Mut machen für die weiteren gemeinsamen Aufgaben im „Land an der Goldküste Afrikas“.

Am 18. Dezember 2015 ist die ausführliche Vorstellung des Projektes an einem „Ghana- Nachmittag“ ab 14 Uhr in der Peter-Lenné-Schule geplant, zu dem wir schon jetzt alle Interessierten recht herzlich einladen möchten.

Klaus Pellmann
Landesstellenkoordinator

 

 

Bildnachweis:
© 2015 Klaus Pellmann, Michael Schäfer, Landesstelle Berlin